Archiv für November 2009

Das Arbeitszeugnis – Teil 1

Montag, 30. November 2009

In rauen Wirtschaftszeiten mit hohen Arbeitslosenzahlen und häufigeren Stellenwechseln gewinnt ein qualitativ hohes Arbeitszeugnis immer mehr an Wert. Gleichzeitig gewinnen Referenzen an Bedeutung und Arbeitnehmer sollten tunlichst beizeiten darauf drängen, die von ihnen ausgeführte Tätigkeit mittels eines gesonderten Stellenprofils oder einer exakten Beschreibung nachweisen zu können.

Ihr Zeugnis - ein sonniger Blick?

Ihr Zeugnis - ein sonniger Blick?

Kaum ein Bereich der Arbeitswelt ist so von falschen Vorstellungen und Ängsten durchzogen wie eben gerade der oben genannte Bereich. Geheimcodes, versteckte Botschaften, verklausulierte Abwertungen, all dies fürchten Arbeitnehmer. Zu Recht?

Peer-Ranking – Selbst- und Fremdeinschätzung

Sonntag, 29. November 2009

Das Zauberwort heisst: Selbsteinschätzung! Wie gut sind die Anderen, wie gut bin ich? Wenn man Glück hat, muss man zum Abschluss eines Assessment-Centers nur eine Reihenfolge der Kandidaten erstellen, sich selbst relativ weit nach oben platzieren und kann dann nach Hause gehen. Erster Ansatz: Bloß nicht zu bescheiden. Zweiter Ansatz: Bloß nicht zu bescheiden. Dritter Ansatz: Bloß nicht zu bescheiden. Es ist wie mit den Häusern: es zählt die Lage, die Lage und die Lage.

Falls Sie sich nun ganz nach oben gesetzt haben, eigentlich aber nur die Nummer 9 von 10 Kandidaten sind – glauben Sie mir, es macht keinen Unterschied. Die Jobs werden ohnehin nur an die Nummern 1-4 vergeben. Da macht eine Selbstüberschätzung das Kraut auch nicht mehr fett.

Bossing – Eine neue Tendenz?

Dienstag, 24. November 2009

Es beginnt mit der Verweigerung eines Willkommensgrußes. Man bekommt Arbeiten zugewiesen, die einen permanent unterfordern, dann aber einen riesigen Berg schwierigster Aufträge hingelegt, die man sofort erledigen soll. Man wird nicht zu den obligatorischen Kaffeerunden eingeladen – oder noch schlimmer: ausgeladen. Ich habe neulich eine Seminarankündigung gelesen, in der Mobbing als Auftakt zu einer Lebensveränderung und somit als Chance zu begreifen ist. Nun ja.

Betroffene sehen das ganz anders. Im schlimmsten Fall gehen die wiederholenden Demütigungen vom Vorgesetzten aus, im momentan gültigen Sprachgebrauch nennt man dies “Bossing“.  Abmahnungen wegen Nichtigkeiten, Kündigungsandrohungen, Kündigungen – einhergehend mit schikanösem Verhalten sind die Regel.  Betroffene werden zermürbt, vermeintliche Schlichtungsgespräche zwischen den Parteien helfen nicht, sondern dienen oftmals eher der Bestandsaufnahme, wie fertig der Kollege bereits ist.

Der Wahnsinn mit Methode

Montag, 23. November 2009

Wissen Sie eigentlich, wo es lang geht? Und warum? In aller Regel werden Sie jemanden in der Arbeitswelt kennen, der Ihnen sagt, wo es lang geht. Und zwar unmissverständlich. Es gibt sie an jeder Ecke, die Alphatierchen der Unternehmen, die Richtungsweiser und Entscheider.

Richtungsanzeiger

Richtungsanzeiger

Können Sie sich noch an die UMTS-Lizenzen erinnern? Ich lache heute noch. Wer allerdings damals in einer der beteiligten Unternehmen Zweifel geäußert hätte, wäre zum Bedenkenträger abgestempelt und für alle Zeiten erledigt gewesen. UMTS war wirklich mal ein Projekt. Warum muss ich jetzt eigentlich an den Werbeslogan einer großen Baumarktkette (ya, ya, yippieh, yippieh, yeah!) denken?

Kündigung rechtmäßig!

Donnerstag, 12. November 2009

Nun ist es entschieden. Das Arbeitsgericht Radolfzell hat entschieden, dass einer Arbeitnehmerin wegen der Mitnahme von Maultaschen rechtmäßig gekündigt wurde. Die Darstellung der Arbeitnehmerin, die Essensreste wären im Müll gelandet und es sei gang und gäbe, übriggebliebenes Essen zu verzehren, war ohne Auswirkung. Der Arbeitgeber hatte darauf hingewiesen, dass das Vertrauensverhältnis zerstört sei – und eine Weiterbeschäftigung unmöglich.

Die Arbeitsrichterin gab ihm Recht und widersprach im Urteil den Angaben der Klägerin. Diese habe die gefüllten Teigtaschen in einer Tasche versteckt mit nach Hause nehmen wollen. Die 58- Jährige hatte dagegen gesagt, sie habe sich die Maultaschen im Heim aufwärmen wollen. Nach einem langen Arbeitstag und vor einer anschließenden Fortbildung habe sie keine Möglichkeit gesehen, ihren Hunger auf andere Art zu stillen.

Ermahnung, Abmahnung und Kündigung – Teil 2

Samstag, 07. November 2009

Ziehen Sie eine Abmahnung in Betracht? Beginnen wir mit einem juristischen Grundsatz: Regelmäßig vom Arbeitgeber hingenommene Verstöße gegen arbeitsvertragliche Pflichten können zu einer inhaltlichen Änderung eines Arbeitsvertrages führen. Oder einfacher formuliert: Wer Fehlverhalten von Arbeitnehmern nicht rügt, sondern hinnimmt und nicht warnt, dass er mit dem Verhalten nicht einverstanden ist, verliert unter Umständen sein Kündigungsrecht. Aus der Praxis ist mir ein Beispiel im Gedächtnis, wo ein Kleinunternehmen aus Köln das regelmäßige Zuspätkommen einer Arbeitnehmerin jahrelang geduldet hat, dann aber eine Abmahnung deswegen ausgesprochen hat.  Der Arbeitgeber musste vor dem Arbeitsgericht erkennen, dass er viel früher hätte handeln müssen, sein Abmahnungsrecht war hinsichtlich der Unpünktlichkeit “verbraucht”.