Das Arbeitszeugnis – Teil 2

“Sie war eine ausgezeichnete Mitarbeiterin, die Ihren Aufgabenbereich stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt hat … Ihr Verhalten gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Vorgesetzten war stets vorbildlich und einwandfrei … Ganz besonders möchten wir hervorheben, dass Frau S. ganz entscheidend zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen hat … Frau S. verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum 20.02.2010. Wir wünschen Ihr für den weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute und bedauern Ihre Entscheidung zutiefst.”

Klingt das gut? Mitnichten. Das Arbeitszeugnis ist eine glatte “ungenügend”, somit die schlechteste zu erzielende Bewertung. Was sehr positiv klingt, bedeutet dechiffriert, dass Frau S. eine Mitarbeiterin ist, die sich hauptsächlich den zwischenmenschlichen Aspekten gewidmet hat, darüber die Arbeit aber vollständig vernachlässigt hat. Und noch gravierender: Wer ein Unternehmen zum 20.02. auf eigenen Wunsch verlässt, dem ist in aller Regel außerordentlich – also fristlos – gekündigt worden.

Wer eine positive Arbeitsauffassung hat, ist faul; wer im positiven Sinne kritisch ist, ist ein Querulant; wer großes Organisationstalent hat, der ist ein Theoretiker, der andere arbeiten lässt und sich selbst Freiräume schafft. Vorsicht ist immer dann geboten, wenn ihr Zeugnis vermeintlich einwandfrei klingt, aber Formulierungen enthält, die nicht im Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehen. Noch schlimmer ist ein Zeugnis, in dem sich die Superlative nur so aneinander reihen – in aller Regel bescheinigt man Ihnen damit eine mangelhafte Arbeitsleistung und äußert dies im konspirativen Gespräch von Personalchef zu Personalchef dann auch.

Lassen Sie Ihre Zeugnisse auf Herz und Nieren checken – oder noch besser: Lassen Sie ihr eigenes Zeugnis von einem externen Profi anfertigen.

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