Kommunikationstraining im Fokus: oder „Die Ohnmacht der Worte“

„Ich werde den CEO im nächsten Appointment von der Einführung eines Cluster-Managers überzeugen. Target ist die fixe Implementierung. We have to cut corners!“ Alles klar?

Haben Sie diesen Satz auf Anhieb verstanden? Wenn ja, gut. Wenn nicht, durchaus verständlich. Wer im Rahmen einer Präsentation so vorträgt, läuft Gefahr, nicht verstanden zu werden. Anlass für die Kurzpräsentation war eine Team-Übung in einem mittelständischen Unternehmen. Im Rahmen dieses Trainings sollte eine Mitarbeiterin dem Team mitteilen, dass sie den Geschäftsführer auf die dringende Notwendigkeit der Einführung einer speziellen Software hinweisen werde. Die anderen Kollegen kannten den Inhalt der Kurzpräsentation nicht.

In der Nachbesprechung wurde die Kollegin für die Verwendung von Fachtermini und Anglizismen kritisiert. „Machen Sie einen Gegenvorschlag“ erwiderte ich und die anderen Kollegen verständigten sich auf folgende Aussage – allerdings erst nach Klärung der für sie unbekannten Begriffe: „Wir benötigen dringend die Einführung einer Software für unseren Computerverbund, einen so genannten Cluster-Manager. Dies wird von entscheidender Bedeutung für effektives Arbeiten sein. Ich werde mit dem Geschäftsführer sprechen und ihn auf die Dringlichkeit hinweisen.“ „Sprache kann so einfach sein.“ fügte eine Kollegin hinzu.

Tatsächlich kann Sprache im Unternehmen einfach und verständlich sein. Im Rahmen von simulierten Präsentationen höre ich oft Sätze, die wenigstens ein oder zwei Einschübe, einen Relativsatz als Zugabe und eingefügtes Beispiel zur Erläuterung haben. Wer als Redner glaubt, ein Zuhörer könne sich Sätze mit mehr als zwanzig Wörtern merken, irrt. Zuhörer mögen es einfach. Wer zu Beginn einer Präsentation ankündigt, er plane über sechs wesentliche Punkte zu referieren, nimmt seinem Auditorium jeglichen Elan. Zuhörer mögen es übersichtlich. Wer sich in Schlagwörtern, Wortneuschöpfungen und Anglizismen verliert, hat sein Publikum längst verloren. Und seine Souveränität.

Struktur statt Auflistung, erläuternde Beispiele statt Schlagwörtern, Souveränität und Humor an Stelle von kühler Präsentation – Sprache und ihre Wirkung kann wirklich einfach sein.

Für die Interessierten unter Ihnen: Anlässlich der VW-Hauptversammlung vom 03.05.2006 hielt Herr Dr. Teunis eine ebenso unterhaltsame wie entlarvende Rede über den „after-sales-service“ (www.humanistische-aktion.de/ „after-sales-service“).  Mein Lieblingssatz ist allerdings noch immer von Hilmar Kopper, dem ehemaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank: „Jeder muss im Job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate identity, die mit perfect customizing und eye-catchern jedes Jahr geupgedatet wird!“ Manches relativiert sich im Leben. Eigentlich war die Kollegin aus der Team-Übung und ihrem Cluster-Manager doch ganz gut zu verstehen, oder?

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