Meetings – Dummdeutsch-Bingo

Mittwoch war immer Meeting-Tag. Oder nennen Sie es von mir aus Besprechungs-Tag. Punkt 10.00 Uhr, im kleinen Konferenzraum. Dienstags bekam man den Ablaufplan, der allerdings irgendwann zu einer Agenda mutierte. Einer Agenda, die gelegentlich zwei Tagesordnungspunkte enthielt. Ich hatte mir unter einer Agenda immer etwas Großes vorgestellt. Nun denn.

In besonderer Erinnerung ist mir ein Meeting mit einem! Tagesordnungspunkt geblieben, der den Titel “Brainstorming für das neu zu entwickelnde Organigramm” hatte. Ich habe Brainstorming schon immer für ein vollkommen uneffizientes und zeitraubendes Verfahren des Meinungsaustausches verstanden, bei dem man allerdings prima alles mögliche Andere erledigen konnte, ohne dass es überhaupt jemandem aufgefallen wäre.

Meine Kollegin Ute und ich spielten auf Vertrauensbasis Dummdeutsch-Bingo. Die Regeln sind einfach erklärt: Man benötigt 16 Begriffe, vier sinnfreie Begriffe pro Reihe in vier Zeilen. Derjenige, dessen Begriffe zuerst eine vollständige Nennung in einer Zeile oder Spalte aufwiesen, hatte gewonnen. Man hatte einen Joker in Form eines Satzes, der dreimal genannt werden musste und dann einen fehlenden Begriff ersetzen konnte. Meine Topbegriffe waren “Handling-Bedarf”, “Task-Force-Steuerungsgruppe” und “Vertagungskompetenz”. Mein ständiger Joker war “Das ist ein spannendes Thema.”, mit den unvermeidlich angedeuteten Anführungsstrichen. Utes Topbegriffe sind mir nicht präsent, aber, wie gesagt, wir spielten auf Vertrauensbasis.  

Ich bin ehrlich. Weder Ute noch ich haben dieses Spiel erfunden. Es ist nur eine billig abgekupferte Variante des im amerikanischen Sprachbereich weit verbreiteten “Bullshit-Bingos”. Ich bin noch einmal ehrlich: Ute und ich waren auch ein wenig feige, weil wir im Falle einer vollständigen Reihe oder Zeile nur dem Anderen verschwörerisch zuzwinkerten. Amerikaner springen in diesem Moment im Meeting auf und schreien den Namen des Spiels ganz laut heraus und kümmern sich nicht mehr um den weiteren Verlauf ihrer Karriere. 

Was aber tun, wenn man, dem Turnus entsprechend, das Sitzungsprotokoll anzufertigen hatte? Alle diese Begriffe verwenden? Man war in einer grandiosen Zwickmühle.

Ute bemühte sich immer um objetive und nüchterne Auflistung von Fakten und vermied jegliche Verwendung eines Dummdeutsch-Bingo-Begriffs. Ich bin mir sicher, die meisten Kollegen dankten es ihr im Stillen. Ich bin mir aber auch sicher, dass die Verwender der Begriffe sich manchmal fragten, ob Ute jenes Meeting protokolliert hatte, an dem sie auch teil genommen hatten.

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Eine Antwort zu “Meetings – Dummdeutsch-Bingo”

  1. Charlie sagt:

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