Machtspiele

Vorgesetzte lassen Mitarbeiter schon mal warten. Gelegentlich, weil viel zu tun ist. Manchmal aber auch zur Machtdemonstration. Das ist ein wenig feiner Zug – und eine Art der Personalführung, die alles Andere als nachhaltig, erfolgversprechend oder gar motivierend ist. Das Zauberwort heißt Wertschätzung! Gute Chefs handeln nach den Wertvorstellungen und Prinzipien, die sie von ihren Mitarbeitern fordern – und wenden diese Prinzipien gerade in einem noch strengeren Maße auf die eigene Person an. Wer also Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit verlangt, zu sich selbst aber großzügig bei der Einhaltung ist, diskreditiert sich selbst. 

Wer nun glaubt, er sei Chef und könne sich so manches erlauben, irrt fatal. Verspätungen, Wortabschneidereien, kleine Respektlosigkeiten – all dies führt unzweifelhaft dazu, dass die Mitarbeiter den Vorgesetzten gerade eben nicht respektieren und schätzen.  Die Macchiavellis unter den Führungskräften führen ein einsames Dasein. Es mag sein, dass sich der ein oder andere in dieser Rolle gefällt – aber er wird sein Team nicht zu Spitzenleistungen und herausragenden Ergebnissen führen, sondern nur zu einer durchschnittlichen Performance.

Um es klarzustellen: Wertvorstellungen müssen nicht unbedingt immer populär und arbeitnehmerfreundlich sein. Aber Werte müssen für alle Mitarbeiter gelten – und für den Chef, den Wertevermittler, eben in einem noch strengeren Maßstab. Aus der Schulzeit kennt man noch den knochentrockenen und unbestechlichen Lehrertyp, der Rückgabetermine von Klassenarbeiten eingehalten und nie zu spät das Klassenzimmer betreten hat. In aller Regel waren das – wegen ihrer Verbindlichkeit und Aufrichtigkeit – geschätzte Lehrer, und beliebter als die jovialen Gefühlsmenschen, bei denen man nie so genau wusste, woran man gerade war – und deren Prinzipien keineswegs unbestechlich und allgemeingültig waren.

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