Kryptisch …

In einem unlängst absolvierten Gesprächstraining für angehende Führungskräfte konnten zwei Teilnehmer – auch nach Hinweis und Aufforderung – Anweisungen und Kritiken an Mitarbeitern nicht dezidiert und konkret formulieren. Als die jeweiligen Rollenspiele beendet waren, wurde von der beobachtenden Gruppe deutliche Kritik geübt. Die beiden Teilnehmer verteidigten sich unisono mit der Bemerkung, ihrem Gegenüber nicht zu nahe treten zu wollen. Eine nachvollziehbare Aussage?

Nur wenige Prozent unseres Auftretens werden durch tatsächlich von uns verbalisierte Information geprägt. Der Rest wird durch unsere Haltung, unsere Mimik und vieles Andere bestimmt. In Bezug auf die absolvierten Rollenspiele im Gesprächstraining bedeutete das, dass den Beobachtern durchaus klar war, dass irgend etwas nicht in Ordnung war und Kritik geübt werden sollte. Als besonders irritierend und störend wurde die Ungewissheit über den konkreten Inhalt geäußert. Alle Beobachter äußerten einstimmig, ihnen wäre es lieber, sie wären kurz, knapp und und unverblümt über den tatsächlichen Vorwurf in Kenntnis gesetzt worden.

Fazit: Kryptische Formulierungen schaden mehr als das sie helfen. Es gibt kaum etwas Unangenehmeres für Mitarbeiter – sie ahnen sehr wohl, dass der Vorgesetzte nicht zufrieden ist, müssen aber durch eigenes Nachfragen den Grund dafür erforschen. Als besonders störend wurde der Einleitungssatz: “Sie wissen, warum wir uns hier heute zusammen setzen?” empfunden. Fast genau so schwierig war es, wenn die Teilnehmer im Rollenspiel ganz vage auf mögliche Konsequenzen verwiesen, diese aber nicht definierten.

Als – es klingt erstaunlich – besonders wohltuend wurde dagegen eine schnörkellose und geradlinige Kritik eingeordnet. Wie sagte eine Teilnehmerin? “Meine Chefin ist oftmals ungeduldig und impulsiv. Aber ich weiß immer, woran ich bin. Das macht es deutlich leichter.”

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