No sports, please

Eine Zeitlang war es das Joggen, Verzeihung, der Langstreckenlauf. Karrieristen liefen halbe  und ganze Marathons. Wer etwas sein wollte, absolvierte es unter zwei, bzw.vier Stunden. Und das nicht trotz, sondern wegen des Jobs. Es war eine Demonstration der Erhaltung der Arbeitskraft und der Regeneration von der Arbeitswelt. Läufer liefen zum Ausgleich ihres 60-Wochenstunden-Jobs, was, bei einem geschätzten Wochenaufwand von sechs Stunden Trainingszeit, die Zeit die man im und für den Betrieb aufwendete, in astronomische Höhen schnellen ließ. Die Gespräche am Mittagstisch drehten sich um Pulsgurte, Laufsocken und Netto-Zielzeiten. Da schmeckt ein Schnitzel auf einmal irgendwie schuldbehaftet.

Gottlob, Marathon ist out. Mega out! Momentan gibt es die Fraktionen der Pilger und der Kletterer.  Pilgern hat beinahe etwas Philosophisches, dient aber auch, Sie ahnen es beinahe, der Erhaltung der Arbeitskraft. Klettern hat etwas weniger Philosophisches, es sei denn, man hängt gerade im Seil und es hilft einem keiner, aber es dient der Regeneration vom Arbeitsalltag. Der Pilger und der Kletterer üben Verzicht. Ich finde das unheimlich, beobachte aber, dass Firmen Betriebsausflüge in Klettergärten und Hochseilanlagen buchen. Haben wir nicht Dekaden über die Arbeitnehmer in Fernost gelacht, wenn sie Betriebssport verordnet bekamen? Jetzt lachen wir höchstens über den Kollegen aus dem Marketing, der wie ein nasser Sack im Sicherungsseil hängt und betet, dass der Karabiner hält.

Einen Tag Pilgern als Betriebsausflug habe ich noch nicht erlebt. Aber ich vermute, dass Firmen irgendwann Incentives in Form von Übernachtungsgutscheinen für Herbergen auf dem Jakobsweg ausgeben.  Wer wollte nicht schon immer einmal durch heißen Staub stapfen und den Rucksack des Abteilungsleiters betrachten?

Mein Freund und Trauzeuge spielt ein Mal im Monat nach Dienstschluß Karten mit den Kollegen. Das nenne ich mal entspannte Freizeitgestaltung.

Mäandernde Gletscherbäche

Mäandernde Gletscherbäche

Ach ja. Sie könnten in den Mittagspausen zwischen Gesprächen über Drahtseilsicherungen und Wanderausrüstungen erzählen, wie Sie sich gerade bestens entspannt haben – und zwar ganz ohne Sport. Lehnen Sie sich zurück, lächeln Sie und knabbern Sie ganz ungeniert an Ihrem Löffelbiskuit. Irgendwie werden Ihre laufenden, pilgernden und kletternden Kollegen neidisch werden, glauben Sie es mir.

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