Schlüsselqualifikationen: Medienkompetenz

Sie ist für fast alle Bereiche der heutigen Berufswelt unerlässlich – neben den klassischen Schlüsselqualifikationen ist die Medienkompetenz, also die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen, zur Recherche, Lösungsfindung oder auch nur zur allgemeinen Information, eine unumgängliche Notwendigkeit. 

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie sich zu einem bestimmten Thema kurz und schnell eine Übersicht verschaffen wollen? Vermutlich googlen Sie.  Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich in Bibliotheken bemühte und recherchierte. Spätestens seit die Zeitschrift Stern im Jahre 2007 eine vergleichende Studie über den wissenschaftlichen Anspruch von Wikipedia und dem Brockhaus in Auftrag gegeben hat und der Brockhaus in fast jeder Hinsicht schlechter angeschnitten hat, ist eine Informationsverschaffung via Wikipedia über fast jeden Zweifel erhaben. Wikipedia-Leser wissen mehr, der Spiegel möge es verzeihen!

Manchmal fragen mich Bewerber, ob diese Schlüsselqualifikation nicht völlig überbewertet sei und man sich nicht besser stellen würde, gelegentlich Medienabstinenz zu üben. Dies ist natürlich eine rein philosophische Frage; ständiger Informationsfluss und permanente Abfragen sind anstregend – und in der Arbeitswelt lebenserhaltend. Ich bin kein Freund von Managerweisheiten und erst recht kein Anhängern von Kalauern, aber ich muss zustimmen, dass man, wenn man nicht mit der Zeit geht, mit der Zeit geht – zumindest, wenn es um das Ignorieren technischer Möglichkeiten geht.  

Wohlgemerkt, wir sprechen nicht über Plattformen, bei denen jeder Fragen stellen und beantworten kann. Wer im Internet anhand seiner Krankheitssymptome Therapievorschläge erhält, wer sich in diffizilen Rechtsfragen an eine Community wendet oder glaubt, ganze Ausbildungen oder Studiengänge durch eine Stunde Recherche ersetzen zu können, irrt.  Die kritische Distanz zu Internetmedien verblasst immer dann, wenn man eine vermeintlich gut passende Lösung gefunden zu haben glaubt. Ganze Berufszweige kranken daran, dass sich User Tipps zu steuerrechtlichen Fragen, Personalführungsstrategien und Marketingstrategien aus dem Internet ziehen.  

Wenn es also um die reine Informationsverschaffung geht, ist Vorsicht geboten. Natürlich können Sie über die Firma recherchieren, die Ihnen gerade einen Job anbietet. Sie können Ihre Kandidaten bei Xing oder Linkedin teilweise gläsern machen. Selbstverständlich können Sie versuchen, das Portfolio der Konkurrenz zu analysieren. Es muss aber auch klar sein, dass dies immer nur ergänzende Information sein kann, die zudem raschen Veränderungen unterliegt.

Eine Erkenntnis ist ohnehin unschlagbar: Das, was ich mit eigenen Augen in natura gesehen habe, ist zutreffend. Und das ganz ohne jegliche Medienkompetenz.

verwandte Artikel:

  1. Pareto!

Tags: , , ,

Hinterlasse eine Antwort