Und ewig grüßt das Murmeltier …. Immer wieder freitags!

Kennen Sie folgende Kette? „Wenn es wichtig erscheint, notieren Sie es. Wenn Sie es notiert haben, tippen Sie es ab. Wenn Sie es abgetippt haben, kopieren Sie es. Wenn Sie es kopiert haben, heften Sie es ab. Wenn es Freitag ist, vergessen Sie es einfach.“

Oder auch nicht. Spätestens an einem normalen Freitagnachmittag, mit tödlicher Sicherheit an einem Freitagnachmittag vor nachfolgenden Feiertagen und mit einer 100%-Trefferquote an Freitagen vor Weihnachten oder Ostern, quillt Ihr E-Mailfach über, die interne Postverteilung füllt Ihr verwaistes Postkörbchen, ihr Chef ruft Ihnen im Vorübergehen zu, dass es zwar nicht eile, die Fusionsgeschichte aber vielleicht doch bis Montag erledigt sein solle, wobei der Montagnachmittag vollauf genüge. Und dann?

Meine Lieblingskollegin Ute aus vergangenen Tagen hatte montags immer den Blues, allerdings nicht, weil sie jeden Montagnachmittag eine Fusionsbilanz präsentieren musste, sondern weil ihr noch fünf Tage zum Wochenende fehlten. Ich entgegnete ihr manchmal, dass man nachgewiesener Weise achtzig Prozent der Arbeit in zwanzig Prozent der Zeit absolvieren könne und dass sich der Montag, mal ganz abgesehen von irgendwelchen Fusionen, bestens dazu anböte. Zwanzig Prozent der Arbeitszeit entspricht bei normalen Beschäftigungsverhältnissen einem Arbeitstag. Man kann also achtzig Prozent am Montag erledigen, wenn man den Arbeitszeitforschern Glauben schenken mag und sich die Theorie ein wenig zu recht biegt. Im Moment, wo sie die Zeiterfassungsanlage um 18.00h an einem verregneten Montagabend betätigen, sind sie ein fast freier Mensch. Mit Leichtigkeit werden Sie eine enorme Arbeitsbelastung für die letzten Tage vortäuschen, Mittwoch ist ohnehin Meeting-Tag, am Dienstag die Vor-, am Donnerstag die Nachbereitung.

Bliebe der Freitag. Im Gegensatz zu meiner Kollegin hatte ich meinen persönlichen Blues immer dann. Es konnte daran liegen, dass ich mit der Freischaufelung des eigenen Schreibtisches zu früh begonnen, dummerweise Ergebnisse bereits unter der Woche übermittelt hatte und mich nun einem Cluster von Bumerangs ausgesetzt sehen musste. Klar, wenn ich im traditionellen Mittwochsmeeting schon erwähnen musste, dass einer Fusion in arbeitsrechtlicher Hinsicht nichts entgegenstünde, nicht die Niederschrift abwarten konnte und das Kopfnicken der Konferenzteilnehmer als Zustimmung wertete. Es geschah mir recht. Die Kollegen sammelten und entledigten sich am Freitagvormittag; der Zusatz mit der Bitte um baldige Rücksprache zu Beginn der Woche war obligatorisch.

Wenn Ute gegen 16.30h hereinschaute und fragte, ob ich vielleicht noch – zur Einstimmung auf das Wochenende – einen Sprung mit in den Biergarten käme, tippte ich, kopierte ich oder heftete ich ab. Irgendwie konnte ich dem wichtigsten Ratschlag, nämlich es, weil Freitag war, zu vergessen, nicht befreit folgen.

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