Perfect disaster

Es gab Jahre, da kam man, wenn man “perfect” und “disaster” bei Google eingab, automatisch auf die offizielle Homepage eines amerikanischen Präsidenten. Google hat das “Problem” gelöst und nunmehr findet man ausschließlich Treffer, die sich mit Situationen beschäftigen, die man in unserer Sprache schlichtweg als Katastrophe bezeichnen würde.

Perfekte Desaster findet man oft in allen möglichen Gesprächen, die der Job so mit sich bringt: In Vorstellungsgesprächen, Mitarbeitergesprächen, Kritikgesprächen, Meetings oder Jahresgesprächen. Fakt ist, die Beteiligten reden, in aller Regel aber nicht miteinander und schon gar nicht über das gleiche Thema – oder ertappen Sie sich nie bei der Frage: “Worum geht es eigentlich gerade?” Es gibt ganze Bücher über aktives Zuhören, Matching und Kommunikationsstrategien – Ratgeber von A-Z, Internetforen und vermutlich Selbsthilfekreise überhörter und sich unverstanden fühlender Mitarbeiter. Und nun?

Grau ist alle Theorie. Desillusionierend der Großteil der Praxis … zu mächtig ist die Zahl der Feinde der konsensorientierten Gesprächsführung: das Prinzip der Trägheit, der Wunsch zur Vertagung, die Verwendung von Killerphrasen, die Brunnenvergiftung durch Teammitglieder, – wer ist schon gerne lösungsorientiert und offen für neue Erfahrungen und verlässt den sicheren Hafen der Durchführungsanordnung?

Wissen Sie, ich bin Rheinländer. Manchmal verleitet mich ein kleiner rheinischer Dämon zu Sätzen wie: “Och, warum machen wir eigentlich so einen Aufwand?” Nicht, dass mir die Leere der Phrase nicht bewusst wäre, der Dämon ist einfach stärker. UND: Die anderen Gesprächsteilnehmer sind dann gar nicht entsetzt. Nie! Sie sind dankbar … Eine zeitaufwändige Innovation ist an Ihnen vorbei gegangen. Man kommt früh nach Hause, kann noch einen Restposten Spargel beim Discounter kaufen und sich ein Glas Chardonnay auf den erfolgreichen Tag gönnen.

In Teamsitzungen sagt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal jemand: “Ach, wir müssen doch auch das Rad nicht neu erfinden …” Wie wahr. Es liegt mir manchmal auf der Zunge zu sagen: “Das Rad hätten Sie – bei allem Respekt – aufgrund Ihrer Trägheit nie erfunden.” Irgendwie locken dann aber auch der Restposten Spargel und der Wein.

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