Persönliche Schwächen im Vorstellungsgespräch – Mythen und Lösungen

Und zu guter Letzt kommt die Frage doch noch: „Nennen Sie mir bitte Ihre Stärken und Schwächen.“ Es gibt eine große Anzahl von Personalverantwortlichen, die Bewerber immer noch mit dieser Frage beschäftigen. Man kann gut über Sinn oder Unsinn streiten, da die Antworten so gut wie nie zu einer positiveren Einschätzung des Kandidaten führen, sondern immer eher ein Fallstrick für diejenigen sind, die sich unverständlicherweise nie damit auseinandergesetzt haben. Erfahrungsgemäß fühlen sich die Bewerber, sofern sie diese Frage trainiert haben, bei den Stärken noch ganz wohl; dumm nur, dass es auf die positiven berufsbezogenen Eigenschaften allenfalls rudimentär ankommt und dass sich diese Charakteristika bereits aus Arbeitszeugnissen und dem persönlichen Eindruck des Entscheidenden herauskristallisiert haben. Mit ihren Stärken werden Sie kaum punkten. Möglicherweise werden Sie aber verlieren, nämlich gerade dann, wenn Sie etwas als Stärke vorstellen, was entweder für die avisierte Position gar nicht erforderlich oder aber in auffälligem Missverhältnis zu ihrer Position steht.

Und die Schwächen? Ich gebe Ihnen ein paar meiner Lieblingssätze: „Ich kann nicht aufhören, bis ich eine absolut perfekte Lösung habe, egal wie lange es dauern mag.“ Soll dies eine Schwäche sein? „Bedeutet das, Sie verlieren den Gesamtüberblick und sind eher an Details als einer umfassenden Lösung interessiert? war die Entgegnung. Eine andere Formulierung: „Manche Menschen meinen, ich arbeite zu akribisch.“ Würden Sie einen Linsenzähler einstellen wollen, zudem noch jemanden, der dem Mythos aufgesessen ist, eine vermeintliche Stärke als Schwäche verkaufen zu können und diese unter Umständen auch noch mit dem Satz: „Bei aller Akribie verliere ich natürlich nie den Überblick …“ relativiert? Ich nicht. Machen Sie sich Folgendes klar: Sie müssen auf die Frage antworten, unter Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit, ihrer dokumentierten Arbeitsergebnisse und unter Wahrung ihrer Authentizität. Und seien Sie versichert: Es gibt keine „gute“ Schwäche. Eine temporäre Erscheinung war die Nennung von Ungeduld als Schwäche bei Führungskräften. Der Interviewer könnte ein Schild schreiben, auf dem Ungeduld steht und es jedes Mal hoch halten, wenn ein Bewerber diese Aussage trifft -vermutlich hätte er am Abend einen tüchtigen Muskelkater. Fazit: Arbeiten Sie Ihre Schwächen und Stärken mit Bezug zur Stelle und Ihrer Persönlichkeit aus und präsentieren Sie diese mit einem adäquaten Humor, erstens, weil Humor tatsächlich positiv punktet und zweitens, weil Sie über den Personalverantwortlichen, der diese Frage immer noch stellt, tatsächlich lächeln dürfen. Er darf es nur nicht merken.

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Eine Antwort zu “Persönliche Schwächen im Vorstellungsgespräch – Mythen und Lösungen”

  1. Mr WordPress sagt:

    Hallo, das hier ist ein Kommentar.
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