Persönliche Schwächen im Vorstellungsgespräch – Letzter Teil

Welche Schwäche passt zu Ihnen? Können Sie diese – so abstrus dies klingen mag – durch entsprechende Passagen in Ihren Arbeitszeugnissen dokumentieren, zumindest indirekt? Ich will Ihnen ein Beispiel geben: “Sie war eine ausgezeichnete Mitarbeiterin, die vor allem durch ihre Entscheidungsfreudigkeit und Systematik hervorstach. Die Qualität Ihrer Arbeitsergebnisse …” könnte in einem Zeugnis stehen. Dokumentiert wird hier, dass die Arbeitnehmerin eine weit überdurchschnittliche Bewertung bekommen hat und vor allem wegen der Fähigkeit, Sachverhalte analytisch und systematisch schnell zu entscheiden, äußerst geschätzt wurde.

Jetzt gilt es, eine korrespondierende Schwäche zu finden. Wer rasch und sicher entscheidet, muss nicht unbedingt geduldig, beharrlich oder teamfähig sein. Führungskräfte der mittleren Ebene, die einerseits Unternehmensentscheidungen durchzusetzen haben, sich andererseits aber gelegentlichen In-Fragestellungen von Mitarbeitern ausgesetzt sehen, sind häufig in einer Zwangslage. Also angenommen, die Bewerberin mit dem obigen Arbeitszeugnis würde sich auf eine solche Position mit einer begrenzten Personalverantwortung bewerben – und nach Stärken und Schwächen gefragt, sie könnte sicherlich mit den dokumentierten Stärken “Entscheidungsfreudigkeit” und ”Systematisches Denken” punkten und korrespondierend dazu anmerken, dass die Teamfähigkeit und Geduld Grenzen haben müssen, wenn es um die Umsetzung unternehmerischer Ziele geht.

Dürfen Sie lächeln? Sie dürfen nicht nur, sie müssen. Eine Prise ruhiger Humor, ein kurzes Wortspiel oder ein zustimmendes Lächeln bewirken in aller Regel, wenn sie dosiert und gut plaziert eingesetzt werden, meist mehr, als die ausschließliche Fokussierung auf ihre fachlichen Qualitäten. Sollten Sie tatsächlich einmal laut lachen – was häufiger passiert, als die meisten Bewerber es für möglich halten – müssen Sie allerdings schnell zurück in die sachliche Diskussion und dürfen keinesfalls auf der humoristischen Ebene verharren.

Warum sprechen wir über Humor im Zusammenhang mit Schwächen im Vorstellungsgespräch? Weil Sie dem negativen Thema etwas Positives entgegen setzen. Ein Kandidat erzählte mir einmal, dass er bei einem Vorstellungsgespräch anmerkte, dass er gelegentlich etwas redselig sei. Ob dies eine “clevere” Schwäche ist, lassen wir einmal dahin gestellt. Einer kurzen Eingebung folgend, relativierte er den Satz, indem er sagte: “Immer noch besser redselig als weinselig …” und anfing zu lachen. Sie können es sich vorstellen – mit deratig derbem Humor kommen Sie im Interview nicht weit. Aber ein leichtes entschuldigendes Lächeln, wenn Sie zugeben, gelegentlich unpünktlich zu sein, ist erfrischend; vorausgesetzt, Sie bewerben sich nicht auf eine Stelle, bei der Pünktlichkeit das A und O ist.

Seien Sie vorbereitet. Auch wenn ich persönlich die Frage nach Stärken und Schwächen eher kritisch sehe und nicht stellen würde, Interviewer stellen sie gerne, in krassen Fällen auch schon mal als Auftaktfrage – kein Warm-up, kein Small-Talk, keine Vorstellung der Firma. Die Bewerber springen ins eiskalte Wasser – umso wichtiger, dass Sie direkt durchstarten und eine gute Antwort in petto haben.

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