Bewerberauswahl – Teil 2

Sie haben sich für eine Liste von acht Kandidaten entschieden, die anderen Bewerbungsmappen für den Rückversand präpariert, möglicherweise bereits eine innere Vorauswahl für die in Frage kommenden Kandidaten vorgenommen?

Haben Sie vielleicht ein kurzes Telefoninterview geführt? Wenn ja, warum? Und wenn nicht – ist es entbehrlich? Vorausgesetzt, ihre Liste ist bereits von 100 Bewerbungen auf 15 geschrumpft – was hindert Sie eigentlich daran, mit diesen Kandidaten ein kurzes unangekündigtes Sondierungsgespräch von zehn Minuten zu führen, um sich danach für die Besten zu entscheiden, die Sie tatsächlich einladen wollen?

Erstaunlicherweise passiert es ganz oft, dass die Bewerber vor dem eigentlichen Gespräch bereits bewertet sind. Wenn einem Sätze wie “Gut, anschauen kann ich mir den Kandidaten ja einmal.” durch den Kopf gehen, ist genau dies bereits passiert und man verbaut sich die Chance, die wahren Vorzüge und Charakteristika zu erkennen. Fast genau so oft passiert es, dass man wie von einem Scheinwerfer geblendet ist und dem Halo-Effekt zum Opfer fällt, weil eine positive Eigenschaft so überstrahlend ist, dass alles Weitere kaum noch ins Gewicht fällt. Die Kandidaten erzeugen dann ein Wohlgefühl, vergleichbar mit dem verträumten Biss in ein Marmeladenbrot mit Honigglasur und Nutellarand. Fehlende Flexibilität oder mangelnde Teamfähigkeit, die ansonsten ein KO-Kriterium wären, werden wohlwollend übersehen.

Der zweite Schlüssel zum Erfolg ist also, sich nicht vorschnell auf etwas Anderes festzulegen, als die selbst in der Stellenausschreibung festgelegten Parameter und diese Parameter konsequent abzutesten. Manchmal beschleicht einen in Vorstellungsgesprächen das Gefühl, der Kandidat könnte einem überteuerte Eiswürfel in der Antarktis verkaufen und man würde auch noch glauben, den Deal des Lebens gemacht zu haben. Perfekt sitzendes Kostüm, gewinnbringendes Lächeln und das ein oder andere mehr –  sitzt da ein authentischer Bewerber oder ein geschulter Verkäufer vor Ihnen? Und die darüber hinaus gehende Frage: Wie wird Ihr neuer Mitarbeiter tatsächlich sein, wenn Sie ihn eingestellt haben und der Halo-Effekt vergangen ist?

Dieser Artikel wird fortgesetzt. Im letzten Teil wenden wir uns der Frage zu, mit welchen Vorgehensweisen Sie Bewerbungsgespräche am zielführendsten absolvieren.

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