Gutes Betriebsklima?

Es gibt sie noch, die Spaßvögel in den Unternehmen. Die Kollegen, die auch in den Zeiten der Finanzkrise und der unglaublichen Bonizahlungen ihre gute Laune nicht verloren haben.

Damit kein Mißverständnis aufkommt: Wir sprechen hier nicht über die Jungs aus der EDV, die manchmal über Witze kichern, die kein Kollege außerhalb der Abteilung verstehen würde, sei es, weil der Nicht-EDVler bereits an den sprachlichen Hürden scheitert, oder sei es, weil er zwar die Sprache versteht, die Pointe aber einfach nicht lustig findet. Wir reden auch nicht über den temporären Galgenhumor von Mitarbeitern, deren Betrieb geschlossen wird, der Geschäftsführer aber mit einem Tagessatz von 80.000 € als Abfindung scheidet.

Wir sprechen über Mitarbeiter, deren hervorstechende Qualifikation der Humor – oder zumindest jenes, was sie darunter verstehen – ist. Gut, der Einwand, wir Deutschen würden vieles zu ernst sehen, ist berechtigt. Der Engländer ist – zumindest der Theorie nach – da viel lockerer. Und es gibt in Deutschland ein regionales Gefälle vom Humor zum bitteren Ernst. Wer einmal vom Rheinland beruflich nach Westfalen gewechselt ist, kann ein Lied davon singen. Aus eigener Erfahrung weiß ich allerdings, dass es selbst dort, im tiefsten Westen, Kollegen gibt, die permanent witzig sind.  In deutlichster Erinnerung sind mir die Wortjongleure geblieben aus “zum Beispiel” “zum Bleistift” machen. Da möchte man doch zum Beilstiel greifen und aufräumen.

Was tun? Humor lässt sich ja nicht so einfach verdrängen und man möge mir jenes Unternehmen zeigen, welches einen Humorkodex hat.  Wie können Sie die Witzbolde anhalten, zumindest einen Teil ihrer Energie in die Arbeitsleistung zu stecken? Sollten Sie als Vorgesetzter mitlachen? Oder auch mal einen Witz machen und ihrem gutgelaunten Gegenüber mitteilen, dass sie sich zwar gar nicht vorstellen können, wie sie ihr Unternehmen ohne ihn am Leben erhalten könnten, es aber ab nächster Woche trotzdem einmal versuchen wollten? Er wird kurz stocken – und dann lachen. Garantiert. Es lacht sich immer am besten, wenn die Distanz in hierarchischen Strukturen nicht gewahrt wird.

Möglicherweise kommt der Tag der Abrechnung dann, wenn Sie ein Arbeitszeugnis ausstellen. Formulierungen wie “geselliger Kollege” oder “gesteigerte Beiträge zum guten Betriebsklima” können durchaus in die engere Wahl gezogen werden.   Aber Sie werden ja wohl nicht so revanchistisch und humorlos sein, oder?

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